Laut der Zeitung”Welt” werden in Berlin Ekel-Wirte vorgeführt: Der Bezirk Pankow hat erstmals eine Online-Liste veröffentlicht, die aufzeigt, wo in der Küche geschlampt wird, wo Mausefallen im Waschbecken lagen, wo im Lager Ratten waren und wo man Billig-Bier als Markenware verkauft. Die schwarzen Schafe werden mit Name und Adresse aufgeführt. Auch ein Großunternehmen ist betroffen.
- In einer Sushi-Bar zum Beispiel. Sie sei unzureichend saniert und, was schwerer wiegt, unzureichend gereinigt, sagen die Prüfer des Bezirksamtes Pankow. Ein Hähnchenbräter auf dem Pankower Wochenmarkt lagert das Frischgeflügel falsch. Die Eiswürfelbehälter in einem italienischen Restaurant sind stark verunreinigt.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow Kalte Ekel-Küche: Dieser Kühlschrank scheint schon seit Jahren nicht mehr in Berührung mit einem Putzlappen gekommen zu sein.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow Speisen am Boden: Doch der ist nicht gerade so sauber, dass man von ihm essen könnte.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow Klassiker der Ekelküche: Reste alten Fetts überall – von Boden …
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow … bis zur Decke bilden verbrannte Öle eine dicke braune Schicht.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Berlin-Pankow Hier ist nicht nur Fett an Wand und Boden gespritzt – und ewig kleben geblieben.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow Waschbeckenfalle: In dieser Küche fühlen sich offenbar kleine pelzige Nager wohl . Zumindest lässt der Waschbecken-Inhalt darauf schließen.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Berlin-Pankow Eisenhaltiger Zusatz: Hier sollten sich Gäste nicht wundern, falls die Drinks Rostflecken haben
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow Pilz unterm Pils: Unter diesem Tresen ernähren sich mittlerweile große Pilzkulturen von den Getränkeresten – der Schimmelteppich ist unübersehbar.
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- Foto: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Pankow Hier mussten sich die Kontrolleure gar nicht so tief bücken. Der Dreck ist schon von Weitem zu erkennen.
Doch es geht schlimmer. In der Filiale einer bundesweit tätigen Bäckereikette haben die Prüfer Fliegenbefall festgestellt. Gleiches gilt für das orientalische Restaurant. Nur, dass das Bezirksamt hier noch detaillierter wird: massiver Gärfliegenbefall, notieren sie in ihrem Protokoll. Im gleichen Lokal wurden obendrein Mausefallen im Handwaschbecken gefunden. Ein anderes Restaurant an der Kastanienallee beherbergt im Keller Ratten.
Und im Lager eines beliebten Italieners am Helmholtzplatz monierten die Kontrolleure Schimmel und Spinnweben im Lager. In einem Irish Pub sind die Bierkühlanlage und der -keller verschimmelt. Dagegen nimmt es sich fast harmlos aus, wenn der Imbiss an der Berliner Allee Billigbier als Markenbier ausgibt. Schön aber ist auch das nicht.
Laut Ordnungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) gab es bei 2300 von 7000 Lebensmittelbetrieben des Bezirks immer wieder Beanstandungen. Auch nach regelmäßigen Kontrollen in Imbissständen, Bistros, Restaurants, Fleischereien und Bäckereien erfüllten viele Betriebe die Auflagen nicht. „Wir müssen feststellen, dass trotz Bußgeldern und Betriebsschließungen als Ultima Ratio behördlichen Handelns bei vielen Betreibern die Betriebshygiene nicht erhöht wurde“, sagte Kirchner.
Ganz gleich ob Imbissbude, Restaurant, Bäcker oder Fleischer, alle können teilnehmen, sofern sie im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung überprüft werden. Die Behörde veröffentlicht jetzt die Ergebnisse der Überprüfungen im Internet . Dort findet der Suchende zugleich eine Liste mit positiven Beispielen, vor allem aber auch eine mit Negativfällen. Wer positiv aufgefallen ist, erhält zudem einen Smiley.
Bereits seit einigen Wochen vergibt der Bezirk Smileys an Betriebe, in denen es überdurchschnittlich sauber ist und die Betriebshygiene stimmt. Jeder Betrieb entscheidet selbst, ob er teilnehmen möchte. Dafür schließt er eine Vereinbarung mit dem Bezirksamt ab. Die Kontrollen – ihr Ablauf oder die Frequenz der Überprüfung – verändern sich dadurch nicht. Vor allem finden sie weiterhin unangekündigt statt.
Erreicht der Betrieb auf einer Checkliste mindestens 90 Prozent positive Bewertungen, so bekommt er den Bogen zusammen mit dem Smiley und einer Bescheinigung zugesandt. Smiley und Bescheinigung darf er dann in seinem Geschäft aushängen. Bei der nächsten Kontrolle muss er beides wieder abgeben, bekommt es aber wieder, falls er weiterhin die hohen Anforderungen an die Sauberkeit und Hygiene erfüllt. Wer nicht 90 Prozent erreicht, hat keine Chance nachzubessern. Er muss auf die nächste Kontrolle warten.
Auf der Checkliste gibt es sieben Kategorien mit Punkten, die überprüft werden. Entscheidend sind vor allem der Reinigungszustand des Betriebes, die Personal- und die Produkthygiene sowie die Art und Effektivität der Schädlingsbekämpfung und Insektenvernichtung. Die Liste ist im Internet verfügbar.
In der Negativliste werden dagegen Betriebe aufgelistet, die laut Bezirksamt „gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch sowie die mitgeltenden Rechtsvorschriften und gegen Rechtsakte der Europäischen Union (EU) verstoßen haben“ und somit eine Ordnungswidrigkeit begangen haben. Kleinere Verstöße werden hier nicht veröffentlicht.
Die Idee für die Smileys kommt aus Dänemark, wo 2001 ein ähnliches System eingeführt wurde. Die Kontrollergebnisse der staatlichen Lebensmittelprüfungen der letzten vier Jahre müssen für den Gast oder für den Kunden eines Lebensmittelgeschäfts sichtbar ausgehängt werden. Ein Smiley mit nach unten hängenden Mundwinkeln zeigt schlechte Kontrollerergebnisse an, Sauberkeit wird mit einem breiten Lächeln belohnt.
Jens-Holger Kirchner, Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung hat sich für das Projekt im Bezirk stark gemacht und hofft jetzt auf Nachahmer in anderen Bezirken: “Von dem neuartigen und in anderen Städten erfolgreich erprobten System profitieren die Betriebe und Verbraucher gleichermaßen.“ Die Betriebe hätten einen klaren Wettbewerbsvorteil, weil sie ihre gute Arbeit sichtbar und amtlich dokumentiert bekämen. Die Verbraucher könnten auf einen Blick sehen, ob ein Restaurant oder Geschäft sauber arbeite.
Das Interesse der Unternehmen ist laut Bezirksamt eindeutig vorhanden. Die Erfahrungen sollen ausgewertet und dann an die anderen Bezirke weitergeleitet werden mit dem Ziel, die Smiley-Vergabe flächendeckend für die Hauptstadt einzuführen.
Rechtlich ist das neue System in Pankow laut Bezirk abgesichert. 2008 wurde das Verbraucherinformationsgesetz novelliert. Demnach hat jeder das Recht, Auskunft über die Ergebnisse der Kontrollen zu erhalten. Bisher müssen in Deutschland die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrolle nicht automatisch veröffentlicht werden.
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